Als Beginn der Pfadfinderidee wird allgemein das experimentelle Lager im Jahr 1907 auf der südenglischen Insel Brownsea angesehen. Robert Stevenson Smith Baden-Powell, der zu dieser Zeit schon ein berühmter General der britischen Armee war, lud dazu 10 Buben einer bestehenden Jugendorganisation und 10 Buben einiger seiner Freunde ein, mit ihm und einigen Helfern für acht Tage die Natur zu erleben und seine „Pfadfinderideen“ auszuprobieren. Dazu teilte er die Buben in kleine Gemeinschaften ein, in denen sie zusammenlebten. Die vier sogenannten Patrullen hießen Raben, Schnepfen, Stiere und Wölfe. Neben dem Lagerleben und Spielen lehrte er sie auch die Wichtigkeit von Religion, Gemeinschaft und Toleranz.
Als Geburtsstunde der Pfadfinderbewegung kann man aber die Veröffentlichung des Buches „Scouting for Boys, (Wie man Pfadfinder wird, 1908)“ bezeichnen. Baden-Powell, den die PfadfinderInnen auf aller Welt kurz B.P. (sprich Bi Pi) nennen, hat darin seine auf Brownsea in bezug auf „Jugenderziehung“ gemachten Erfahrungen festgehalten. „Scouting for Boys“ wurde bereits kurz nach seinem Erscheinen allgemein als Sensation bezeichnet, weil es von den Jugendlichen nicht nur gelesen, sondern auch sofort in die Tat umgesetzt wurde, so dass überall Patrullen entstanden.
B.P. hat immer betont, er wolle keine neue Bewegung ins Leben rufen. Er wollte ursprünglich nur neue Ideen für bereits bestehende Organisationen bereit stellen. Oft wird gesagt, er wollte eine Organisation für Buben der Arbeiterklasse schaffen. Unbestreitbar ist, dass er große Sorgfalt darauf verwendete, eine Gemeinschaft von Buben aus allen Schichten und sozialen Hintergründen zusammenzustellen. „Scouting“ als Grundidee war darauf angelegt, den „armen“ und „reichen“ 11-14jährigen Buben gleichermaßen Spaß und Freude zu bieten. Durch den überwältigenden Erfolg sah sich Baden-Powell doch gezwungen, diese Jugendbewegung in einer eigenen Organisation zusammenzufassen. In England musste bald ein kleines Büro eingerichtet werden, das die vielen Anfragen an Baden Powell beantwortete. Aber auch vom europäischen Kontinent und aus den überseeischen englischen Besitzungen kamen zahlreiche Anfragen. In der Zwischenzeit war „Scouting for Boys“ bereits in fünf Sprachen übersetzt worden.
Natürlich waren nicht nur die Buben von der neuen Idee begeistert. Bald kamen auch die Schwestern und Cousinen und wollten „Pfadfinder“ werden. Eine koedukative Jugendorganisation war aber für die damaligen Verhältnisse undenkbar! Nachdem 1909 bei der großen Rallye (einem ersten organisierten Treffen der Pfadfindergruppen) im Londoner Kristallpalast einige Mädchen durch ihr Auftreten in Pfadfinderuniform ihren Wunsch nach Aufnahme in diese Organisation deklariert hatten, entschloss sich B.P. 1910 diese ersten enthusiastischen Mädchen in einer eigenen Gruppe zu etablieren und betraute seine Schwester Agnes mit deren Führung.
So übernahm B.P.’s Schwester den Aufbau der Pfadfinderinnen, der „Girl Guides“ (in den USA Girl Scouts) und arbeitete gemeinsam mit B.P. ein Programm aus. Die Gesellschaft war noch nicht so weit, eine gemeinsame Freizeitgestaltung für Mädchen und Buben zuzulassen. Deshalb wurden die Girl Guides als getrennte Organisation gegründet. Mit Agnes verfasste er auch ein eigenes Buch für die Mädchen: „How Girls can help build up the Empire“. Später übernahm seine Frau Olave Baden-Powell diese Aufgaben. Nach B.P.’s Tod war sie es, die die Bewegung vertrat.
Als Abzeichen wurden schließlich die stilisierte Lilie für die Buben-und das Kleeblatt für die Mädchenorganisation festgelegt.
Symbole
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Lilie -WOSM: Die Dreiteiligkeit der Abzeichen steht für die drei Hauptteile des Versprechens: Gott, Vaterland und die Mitmenschen. Die beiden Sterne erinnern an Gesetz und Versprechen. Die Kompassnadel zeigt den Weg vorwärts -nach oben. Ring, bzw. Kordel symbolisieren die Einheit der Weltorganisationen. |
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Kleeblatt -WAGGGS: Der mündlichen Überlieferung nach soll die Wahl des Kleeblattes auf einen Wunsch Baden-Powells zurückgehen, das irische Nationalsymbol als Geste der ersehnten Versöhnung zwischen England und Irland zu ehren. Die Farben blau-gold erinnern an die Sonne am blauen Himmel, die auf alle Kinder der Welt scheint. Die Flamme (heraldisches Feuer) symbolisiert die Nächstenliebe. |
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Lilie: Als altes heraldisches Symbol der Reinheit und als Richtungsweiser für den richtigen Weg -übernommen vom Nordpfeil alter Karten wählte Baden-Powell dieses Abzeichen für die entstehende Pfadfinderbewegung.Im offiziellen Verbandsabzeichen der PPÖ vereinigen sich die Symbole der WOSM und WAGGGS. |
Bald zeigte sich, dass ältere und jüngere Geschwister auch mitmachen wollten, dass aber das Programm an das Alter angepasst werden musste. „Scouting“ war ja als Programm für 11-bis 14-jährige Buben konzipiert. Um auch die jüngeren und älteren zu erfassen, wurden die Wölflinge (Wolf Cubs, 1916), mit den „Dschungelbüchern“ von Rudyard Kipling als Arbeitsrahmen, gegründet. Für die älteren Burschen wurde die Roverstufe (1918) geschaffen und auch die entsprechenden Mädchenaltersstufen, die Wichtel (Brownies, 1914) und die Ranger (1920) entwickelten sich. Manche Pfadfinder wollten sich auch auf bestimmten Gebieten spezialisieren, so wurden Wasser-, Flieger-Reiter-und PWA („PfadfinderInnen wie alle“-früher PTA „PfadfinderInnen trotz allem“) gegründet.
Die Idee des Pfadfindertums wurde mittlerweile immer weiter bekannt, so dass bald in vielen Ländern Pfadfindergruppen entstanden.
Die Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges wären beinahe das Ende der Pfadfinderidee gewesen. Doch als die erwachsenen Pfadfinderführer in den Krieg ziehen mussten, führten die jüngeren Kornetten die Gruppenarbeit weiter. Auf allen Seiten kämpften aber jetzt plötzlich auch begeisterte Pfadfinder gegeneinander, und wurden von ihren jeweiligen Ländern für das gegenseitige Morden zu Helden ernannt. Viele kamen dabei in Gewissenskonflikte, da sich das Morden in keinem Fall mit dem Pfadfinderversprechen in Einklang gebracht werden konnte.
Trotz aller Schwierigkeiten ging der Aufschwung der Bewegung nach dem Krieg weiter. Immer lauter wurde der Wunsch nach einem großen Treffen aller Pfadfinder. 1920 wurde in London das erste Weltpfadfindertreffen im Londoner Kristallpalast abgehalten. B.P. gab ihm den Namen „Jamboree“. Das bedeutet nach der Pfadfinderüberlieferung in einer Indianersprache „friedliches Treffen aller Stämme“, aber eigentlich ist es ein englisches Wort für „rauschendes Fest“ und „Tollerei“. Alle 4 Jahre (mit einigen Unterbrechungen) wird seither ein Weltpfadfindertreffen veranstaltet, an dem seit 1983 auch Pfadfinderinnen, die bei WOSM Mitglied sind, teilnehmen. 1951 fand das 7. Jamboree in Bad Ischl in Oberösterreich statt.
Bestürzt über die Erfahrungen im Ersten Weltkrieg formulierte Baden-Powell selbst auf dem ersten Jamboree weitere Ziele der Pfadfinderbewegung: Internationalität und Friedensarbeit!
-Im Großen (die Pfadfinder sollen für Verständigung sorgen und Heere überflüssig machen!) und im Kleinen (der/die PfadfinderIn achtet alle Menschen und sucht sie zu verstehen!).
Parallel zum Jamboree 1920 diskutierten die Führer der teilnehmenden 8.000 Pfadfinder aus 33 Ländern bei der ersten „Internationalen Pfadfinderkonferenz“ über die Zukunft der Bewegung. Trotz aller nationalen Unterschiede bedurfte man einer einheitlichen Form. 1920 fand auch die erste „Internationale Konferenz“ der Pfadfinderinnen in Oxford statt. Das erste Welttreffen der Pfadfinderinnen wurde 1924 in Foxlease, England, abgehalten.
Um die Bewegung der Pfadfinder und Pfadfinderinnen auf der ganzen Welt zu koordinieren und zu verbessern, wurden schon bald die Weltverbände gegründet. Es sind dies für die Buben ab 1973 World Organization of the Scout Movement - WOSM (von 1922-1973 World Scout Movement) und ab 1928 für die Mädchen die World Association of Girl Guides and Girl Scouts (WAGGGS).
Quelle: trax4CaEx
Die Idee Baden-Powells blieb nicht nur auf England beschränkt, sondern fasste bald auch in anderen Ländern, zunächst auf dem Europäischen Kontinent, Fuß.
Schon 1910 gab es erste pfadfinderische Aktivitäten in Österreich, nämlich in Wr. Neustadt. Bald darauf folgte die erste „Pfadfinder-Patrouille“ in Wien, die von Emmerich „Papa“ Teuber, der als Gründer der Pfadfinder in Österreich gilt, gebildet wurde. Kurz darauf folgten Dornbirn und Graz und in Wien schon 1913 die ersten Pfadfinderinnen (die sich damals „Helferinnen“ nannten).
In der Folge entstanden dann eine Vielzahl von „Pfadfinder-Korps“, die aber meist nur auf bestimmte Orte, auf verschiedene Vereine, weltanschauliche Gruppierungen und Religionsgemeinschaften beschränkt waren.
Aus dieser Vielzahl kristallisierten sich dann allmählich zwei große Verbände heraus: der „Österreichische Pfadfinderbund (ÖPB)“ (gegründet 1914) und das „Österreichische Pfadfinderkorps St. Georg (ÖPK)“, das sich 1926 vom ÖPB abspaltete. Die Pfadfinderinnen schlossen sich zunächst zu einem „Korps“ innerhalb des Österreichischen Pfadfinderbundes zusammen, gründeten aber schließlich 1929 den eigenständigen „Bund der Helferinnen
in Österreich (Österreichischer Pfadfinderinnenbund)“. In dieser Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg waren die Pfadfinder und Pfadfinderinnen in der Öffentlichkeit schon sehr angesehen, weil sie viele Sozialdienste leisteten. Auf Initiative des Pfadfinderführers Karl Barteis setzte Frau Marianne Hainisch, der Mutter des damaligen Bundespräsidenten, 1924 die Idee des Muttertages in Österreich durch. Die Jahre von 1930-1938 waren jedoch auch eine schwierige Zeit. Zwar ging die Arbeit der Pfadfinder und Pfadfinderinnen immer weiter, doch durch die zunehmende Änderung der politischen Situation und des aufkommenden Faschismus wurden Pfadfinder in ihrer Eigenständigkeit oft beschnitten.
1938, mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht unter Adolf Hitler und dem Anschluss an das Deutsche Reich, wurden schließlich sofort alle Pfadfinder-und Pfadfinderinnenorganisationen in Österreich verboten und aufgelöst. Heime und die gesamte Ausrüstung wurden in vielen Fällen beschlagnahmt. Viele Führer und Führerinnen wurden von den nationalsozialistischen Machthabern wegen ihrer Gesinnung verfolgt, noch viel mehr kamen während des Zweiten Weltkrieges an der Front, in Konzentrationslagern oder in den zerstörten Städten um. Von der Hitlerjugend wurden teilweise „typisch pfadfinderische“ Dinge übernommen. So trugen sie ein Halstuch und führten Zeltlager und Heimstunden durch. In der Hitlerjugend wurden aber völlig andere Ideen und Werte vertreten. Bei den Pfadfindern und Pfadfinderinnen ist es z.B. wichtig, alle Menschen zu achten, egal welcher Rasse sie angehören. Außerdem ist es uns wichtig, sich mit der Umwelt und dem Geschehen kritisch auseinander zu setzen. Zu dieser Zeit wurden aber vereinzelt doch pfadfinderische Tätigkeiten, teilweise unter Lebensgefahr, getarnt in anderen Organisationen, wie dem Roten Kreuz, oder im Untergrund weiterbetrieben. Bedauerlich, aber wahr ist, dass leider sowohl im Buben-, als auch im Mädchenverband eine Anzahl von PfadfinderführerInnen mit der NSDAP sympathisierte.
Sofort nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Arbeit sowohl der Pfadfinder, als auch der Pfadfinderinnen wieder aufzuleben. Die westlichen Bundesländer hatten es hier leichter, da sie von den Besatzungsmächten in jeder Weise unterstützt wurden. Die Vertreter der beiden vor 1938 anerkannten Bubenverbände beschlossen, eine einzige Organisation zu gründen. So kam es 1946 zur Gründung der „Pfadfinder Österreichs (PÖ)“. Die Mädchen schlossen sich 1948 zum „Österreichischen Pfadfinderinnenverband“ zusammen, von dem sich die rein katholischen Gruppen 1950 abspalteten und den „Österreichischen Pfadfinderinnenverband St. Georg (ÖPVSG)“ gründeten. In den darauffolgenden Jahrzehnten nahm die Arbeit dieser beiden Verbände einen kräftigen Aufschwung.
1951 wurde in Bad Ischl das 7. Weltjamboree veranstaltet, und als ein kräftiges Lebenszeichen der Pfadfinderarbeit in Österreich angesehen. Seither werden im Abstand von 10 Jahren die Österreichischen Bundeslager, das erste im Schlosspark Laxenburg, NÖ, veranstaltet. Das erste Bundeslager des Mädchenverbandes fand übrigens 1965 in Hintersee/Salzburg statt. Die älteren Pfadfinder schlossen sich zum Verband der Pfadfindergilden Österreichs zusammen.
Zum Georgstag 1954 erinnerte man sich des „Tages der Fahne“, der 1936 das Motto des Georgstages war und feierte den Georgstag 1954 wieder unter diesem Motto. Diese Idee wurde von der Österreichischen Bundesregierung aufgegriffen und am 26. 10. 1955, dem Tag der Neutralitätserklärung, erstmals der „Tag der österreichischen Fahne“ gefeiert. Mit dem Bundesgesetz vom 26. 10. 1965 wurde der 26. 10. zum Nationalfeiertag erklärt. Dass die Pfadfinderbewegung in Österreich immer schon wichtige Impulse für die demokratische Jugendarbeit brachte, zeigte die Rolle der PÖ bei der Gründung des Österreichischen Bundesjugendringes, jener Organisation, der die größten österreichischen Jugendorganisationen angehören.
In den 60er Jahren begannen Überlegungen, die älteren Pfadfinder, die oft in Form von „Seni-or-Trupps“ zusammengefasst wurden, mit einem eigenen Programm zu betreuen. Im Mädchenverband trennte man die jüngeren Pfadfinderinnen (P1 genannt) schon geraume Zeit von den älteren Pfadfinderschwestern (die P2 genannt wurden). Im Mai 1969 war es dann auch im Bubenverband so weit und die Teilung der 12-17jährigen Pfadfinder in die Altersstufen „Späher“ und „Explorer“ wurde beschlossen. 1976 wurden dann die „Pfadfinderinnen 2“ in „Caravelles“ umbenannt.
In vielen Orten begannen Pfadfinder und Pfadfinderinnen eng zusammenzuarbeiten, Diskussionen über Koedukation füllten die Pfadfinderzeitschriften Ende der 60er Jahre. Es entstanden gemeinsame Gruppen und bald folgten auch einzelne Landesverbände in dieser partnerschaftlichen Arbeitsweise nach.
Diese Zusammenarbeit führte schließlich zum Zusammenschluss des Buben- und Mädchenverbandes am 16. Oktober 1976 in Melk zum Verband „Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs“ (kurz: PPÖ).
Dieser Verband, dem du auch angehörst, ist die einzige PfadfinderInnenorganisation in Österreich, die bei den Weltbüros der Pfadfinder und Pfadfinderinnen in Genf bzw. London anerkannt ist, weil sie als einzige die Voraussetzungen „Gesetz, Versprechen und den Glauben an einen Gott“ erfüllt.
Der Rest ist unsere Gegenwart und Zukunft, zu der wir dich herzlich einladen, sie aktiv und bewegt mit zu gestalten.
Im Zuge unserer 40-Jahr-Feier haben wir versucht die Lücken in unserer Geschichtsaufzeichnung zu schließen.
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